Die Liebe zum Akkordeon eint die Mitglieder des Orchesters. © Bohmann

 

Gemeinsam in die Quetschkommode greifen

Das Akkordeon ist ein Instrument, das man selten in Orchestern antrifft. Wie soll da ein Orchester, das nur aus Ziehharmonikas besteht, funktionieren? Die Musikschulen der Stadt Wien liefern die Antwort auf diese Frage: Sehr gut!

Alleine der Anblick des Akkordeon-Orchesters der Musikschulen der Stadt Wien ist Gold wert. Rund zwanzig Kinder und Jugendliche sitzen mit ihren riesigen Ziehharmonikas auf der Bühne des Proberaums in der Musikschule Meidling. Leiterin Ingrid Eder flitzt von links nach rechts und verteilt die Aufgaben für die heutige Einheit. Ziel ist, das Lied „La Valse d'Amélie“ von Yann Tiersen, bekannt aus dem Film „Die fabelhafte Welt der Amelie“, einzustudieren.

Gemeinsam musizieren macht einfach Spaß

Falls Sie noch nie von einem Akkordeon-Orchester gehört haben, sind sie damit nicht alleine. Solche Orchester sind äußerst selten. In der Tat hat das Akkordeon in den meisten Orchestern kein Stammleiberl. Die Wiener Musikschulen wollten aber auch den jungen Damen und Herren aus diesem Fachbereich die Chance geben, Teil eines Orchesters zu sein. „Es ist einfach ein Projekt, das einerseits ein tolles Format und ein schöner Klangkörper ist“, sagt Ingrid Eder, die seit ihrer Kindheit spielt. „Andererseits kommen Schülerinnen und Schüler aus der ganzen Stadt zusammen und musizieren gemeinsam. Das Ganze hat also auch eine soziale Komponente.“

 

Eine Herausforderung die sich lohnt

Eder geht einzelne Passagen des Lieds mit den Schülerinnen und Schülern durch. Jede Gruppe innerhalb des Orchesters spielt ihren Teil und versucht ihn zu verinnerlichen. Denn auch wenn Akkordeon-Orchester einen einmaligen und spannenden Klang haben, ist es nicht leicht, in einem solchen zu spielen. „Das Schwierigste ist der homogene Klang“, sagt Eder. „In einem herkömmlichen Orchester gibt es verschiedene Instrumentengruppen, die auch ganz unterschiedliche Klangfarben haben. Die einzelnen Instrumente, ebenso wie die Gruppen innerhalb der Orchester, sind viel einfacher zu erkennen. Bei uns spielen nur gleiche Instrumente und es ist schwieriger, sich selber zu hören, was beim Proben schon eine Herausforderung ist.“ Die große Kunst ist also, eine Einheit zu werden.

Ein musikalischer Alleskönner

Für die Schülerinnen und Schüler ist das Proben mit dem Orchester ein Highlight. Adrian etwa spielt im neunten Jahr Akkordeon an den Musikschulen der Stadt Wien. Was er am Instrument liebt? Die Vielfalt. „Es gibt ganz viele Genres, die man spielen kann. Von Swing bis Folk hat das Akkordeon eine riesige Bandbreite. Im Orchester ist es vor allem wichtig, einander zuzuhören, damit man ein gemeinsames Tempo und eine gemeinsame Lautstärke findet“, sagt Adrian, dessen Lieblingsnummer der „Kasatschok“, ein russisches Volkslied, ist.

 Fanni spielt seit fünf Jahren Akkordeon. Privat liebt sie es, mit der Oma im Duett zu spielen. „Meine Oma spielt Querflöte und das funktioniert ganz super“, sagt Fanni. Mit dem Instrument ist sie sehr zufrieden. „Ich fühle mich total wohl mit dem Akkordeon. Immer wenn ich spiele, habe ich Riesenspaß.“ Obwohl das Akkordeon recht kompliziert aussieht, ist das Spielprinzip für Fanni ganz simpel. „Man muss die Knöpfe drücken und den Balg nach links ziehen.“ Wie stark man daran zieht, entscheidet, wie laut oder leise der Ton ist.“ Am Spielen im Orchester hat Fanni Gefallen gefunden: „Ich finde, es klingt sehr schön, und natürlich macht es Spaß, mit allen gemeinsam zu spielen.“

Nächster Auftritt des Akkordeon Orchesters