Im 48er-Tandler wurden 2017 158.000 Gegenstände weiterverwendet, sehr zur Freude der neuen BesitzerInnen. © Bohmann/Ulrich Sperl

Von der Altware zum Lifestyle-Produkt

Die 48er-Tandler-Box gibt es auf jedem Mistplatz. Aber was passiert eigentlich mit den Waren, die dort abgegeben werden? Auf jeden Fall ein zweites Leben als Secondhandprodukt - im 48er-Tandler oder als Spende für eine karitative Organisation.

Die 48er-Tandler-Box ist nicht zu übersehen. Sie steht direkt beim Eingang und David steuert auf die Box zu. Der Student ist extra hierhergekommen, um einen Globus abzugeben. "Der Globus ist völlig in Ordnung, wir brauchen ihn einfach nicht mehr. Für den Müll ist er aber definitiv zu schade", sagt David. Von einer Freundin hat er von der 48er-Tandler-Box gehört. "Es wäre mir zu schade, den schönen Globus lieblos irgendwo einfach loszuwerden. Die Idee, dass er beim 48er-Tandler ein zweites Leben bekommt, find ich sehr gut."

Der 48er-Tandler ist ein Altwarenmarkt im 5. Wiener Gemeindebezirk. Jährlich werden rund 1.200 Tonnen noch gebrauchsfähige Gegenstände auf den Mistplätzen abgegeben. Dazu kommen nicht abgeholte Stücke aus dem Fundservice und nicht mehr benötigte Gegenstände von diversen Magistratsabteilungen der Stadt Wien, etwa Fahrräder aus Kellerräumungen. Altwaren, die qualitativ in Ordnung sind, werden von den 48ern hierhergebracht. 2017 kamen über 140.000 Kundinnen und Kunden, bis zu 850 Personen pro Tag, zum Secondhandmarkt.

Jeder Mistplatz hat eine Tandler-Box

Die Box ist für den Globus Ausganspunkt der Reise zu seinem neuen Zuhause. Die Abgabe ist ganz einfach und unkompliziert: Man muss die Produkte einfach nur bei der 48er-Tandler-Box ins Regal stellen. Später werden sie von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Mistplatz in die Box gebracht und grob nach Produktgruppen sortiert. Abgeben kann man so gut wie alles, was noch funktioniert, nur Produkte, die in Sachen Hygiene bedenklich sind wie Matratzen, Zahnbürsten oder alte Rasierer sind im Abfall besser aufgehoben.

Die 48er-Tandler-Box trägt zur Abfallvermeidung bei. Wer Produkte spendet, hilft auch dabei, natürliche Ressourcen zu schonen. Nicht alles muss immer neu produziert und transportiert werden, wenn Produkte, die völlig in Ordnung sind, nicht im Müllcontainer landen. Übrigens: Nur Dinge, die bei der 48er-Tandler-Box abgegeben werden, kommen zum Tandler. Was in den Containern oder Mulden als Abfall landet, bleibt auch dort und wird dementsprechend behandelt. Die Wienerinnen und Wiener schätzen die 48er-Tandler-Box: Pro Monat werden rund 100 Tonnen an Altwaren in den 48er-Tandler-Boxen auf den Mistplätzen abgegeben und für den 48er-Tandler sortiert.

Die Einnahmen werden gespendet

"Bei der Entsorgung von 'vermeintlichen' Abfällen sollte man sich auch gut überlegen, ob die Produkte einfach nicht mehr gebraucht werden oder tatsächlich Müll sind", sagt Ulrike Volk von der MA 48. Wenn man die Sachen auch mit gutem Gewissen an Familie oder Freundeskreis weitergeben könnte, dann sind sie in der Tandler-Box genau richtig. Das trifft auf den Globus definitiv zu, wie David findet. Eine Sache ist für ihn besonders toll: "Die Einnahmen des 48er-Tandlers werden dem TierQuarTier Wien gespendet. So tut der Globus noch etwas Gutes." Die MA 48 spendet auch einen Teil der abgegebenen Altwaren für soziale Einrichtungen wie das Integrationshaus oder die Gruft.

Rinterzelt ist Zwischenstation

Nach der Grobsortierung am Mistplatz geht die Reise für den Globus weiter. Ziel ist die Abfallbehandlungsanlage Rinterzelt im 22. Bezirk. Hier werden sämtliche Produkte genau sortiert und unbrauchbare Gegenstände ausgeschieden. Auch kleinere Reparaturen werden durchgeführt, etwa bei Fahrrädern. Elektrogeräte wiederum werden vom DRZ Wien, einem sozioökonomischen Betrieb, auf Herz und Nieren überprüft und bei entsprechendem Zustand mit einem Jahr Gewährleistung beim Tandler verkauft.

Lifestyle-Produkt statt Altware

Nach dem Zwischenstopp zur Kontrolle und Sortierung geht es für den Globus zum Endspurt. Die Anlieferung zum 48er-Tandler findet ein Mal täglich statt. Geöffnet hat der Markt von Mittwoch bis Samstag, neue Produkte gibt es aber nicht nur am Mittwoch, sondern jeden Tag. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort nehmen die Lieferung in Empfang und bringen alle Waren, darunter auch den Globus, ins Zwischenlager. Je nachdem, wo ein Platz im Geschäftsraum frei wird, werden die Güter von hier in den Ausstellungsraum gebracht, wo sie an die neuen Besitzerinnen und Besitzer verkauft werden.

Die Produktpalette reicht von Kleidung und Fahrrädern über CDs und Schallplatten bis hin zu Spielen und Kleinmöbeln. Alle Objekte sind in sehr gutem Zustand, darauf legt man Wert. Der Globus hat Glück und findet umgehend einen Platz im Verkaufsraum. Schon nach wenigen Stunden ist sein Aufenthalt beim 48er-Tandler vorüber. Ein Stammkunde des 48er-Tandlers nimmt den Globus mit und gibt ihm ein neues Zuhause und eine zweites Leben als schickes Secondhandprodukt. "Ich hab nach einem Globus gesucht und dieses Schmuckstück gefunden. Der wird sich super auf meinem Schreibtisch machen", zeigt sich der neue Eigentümer zufrieden.

Der 48er-Tandler ist eine Wiener Erfolgsgeschichte. Alleine 2017 konnten 158.000 Gegenstände weiterverwendet werden. Bestseller waren mit über 55.000 Stück Haushaltswaren, wie zum Beispiel Geschirr. Medien, vor allem CDs und Schallplatten sowie DVDs, waren mit rund 40.000 Stück auf Platz zwei. Danach folgten Textilien mit 25.000 Stück und Spielwaren mit 16.000 Stück. In Summe wurden über 4.000 Stück überprüfte Elektrogeräte, mit jeweils einem Jahr Gewährleistung, verkauft.

Ab zum Mistfest

Am 22. und 23. September findet in der Garage Hernals das große Mistfest der MA 48 statt. Dort kann man heuer auch Altwaren bei der 48er-Tandler-Box abgeben und sich gleich mit reichlich Infos rund um die Services der MA 48 versorgen.