So kennt man Ludwig van Beethoven: mit wildem Haupthaar und finsterem Blick. Seiner Genialität tat dies freilich keinen Abbruch. © Michael Zagorski/Valence.jpg

 

Ta-ta-ta-taa! Happy Birthday, Beethoven!

Geboren wurde er in Deutschland, seine wichtigsten Werke schrieb er in Wien: Ludwig van Beethoven vollendete die Wiener Klassik und bereitete der Musik der Romantik den Weg. Heuer wird der 250. Geburtstag eines der bedeutendsten Komponisten gefeiert.

Beim Namen Beethoven hören die meisten unweigerlich eine Melodie in ihren Köpfen: das "Ta-ta-ta-taa" zu Beginn der fünften Symphonie. Die euphorische Tonfolge der Europa-Hymne. Das verträumt-melancholische Klavierstück "Für Elise". Oder die Klaviersonate Nr. 14 op. 27 Nr. 2 in cis-Moll, besser bekannt als "Mondscheinsonate". Auch 250 Jahre nach seiner Geburt ist Ludwig van Beethoven allgegenwärtig. Ein Jubiläum, das auch in Wien, der Wahlheimat des im deutschen Bonn geborenen Komponisten und Musikers, unter dem Motto WIENBEETHOVEN2020 begangen wird.

Beethoven für alle

Für das Jubiläumsjahr ist ein wahrer Veranstaltungsreigen geplant: vom klassischen Konzert über Ausstellungen, Opern- und Theateraufführungen bis zu Fachtagungen und Vorträgen. Programmkoordinatorin Susanne Schicker erklärt, warum die Palette so breit ist: "Das Angebot ist so vielfältig, damit wir möglichst viele Menschen erreichen. Auch an Orten, wo man nicht damit rechnet. In Grätzln, am Arbeitsplatz, an öffentlichen Plätzen, im Gemeindebau. Damit wollen wir auch die Werte der Aufklärung - Freiheit, Gleichheit, Solidarität - vermitteln. Denn Beethoven ist nicht nur für wenige, Beethoven gehört uns allen." In völlig unterschiedlichen Veranstaltungen sollen alle Wienerinnen und Wiener dem Komponisten begegnen und sein Geburtsjahr mitfeiern.

 

"Wien ist ohne Ludwig van Beethoven nicht vorstellbar, er machte Wien durch die Wiener Klassik gemeinsam mit Haydn und Mozart zu dem, was es auch heute noch ist: zur Welthauptstadt der Musik. Aber Beethoven war auch ein Revolutionär, durch seine Formensprache, durch seinen Charakter und durch seine musikalischen Inhalte." Der Name Beethoven ist vielen heute noch ein Begriff - nicht selten nur aus dem Musik- und Geschichtsunterricht in der Schulzeit. Das Bild, das man mit ihm verbindet, hat sich mit den Jahren jedoch oftmals gewandelt. Beethoven diente als Projektionsfläche für vieles. Des revolutionären Elements in seinem Werk bedienten sich Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten sowie Kommunistinnen und Kommunisten. Nazis dagegen setzten auf eine starke deutsch-nationale Vereinnahmung. Heute sieht man Beethoven differenzierter: Aus dem gottgleichen Komponisten wurde ein künstlerisch begnadeter und hochbegabter Mensch.

Erste Klavierkompositionen als Teenager

Geboren wurde Ludwig van Beethoven im Dezember 1770 in Bonn als zweites von sieben Kindern von Maria Magdalena Keverich und Johann van Beethoven in eine musikalische Familie. Sein Großvater Ludwig van Beethoven war Basssänger und Hofkapellmeister in Bonn, sein Vater Johann Tenor an der kurfürstlichen Hofkapelle. Dieser erteilte dem kleinen Ludwig Musikunterricht. So trat er im Alter von acht Jahren in Köln erstmals öffentlich als Pianist auf. Die Jahre darauf spielte er als Organist, Bratschist und Cembalist im kurfürstlichen Orchester in Bonn. Um 1783, also als frischgebackener Teenager, publizierte er bereits seine ersten Klavierkompositionen.

Erstkontakt mit Wien hatte Beethoven vier Jahre später. Im Rahmen einer Studienreise sollte er plangemäß Kompositionsschüler von Wolfgang Amadeus Mozart werden. Eine letztlich tödliche Erkrankung seiner Mutter zwang ihn aber zur Rückkehr. Ob sich Beethoven und Mozart je begegnet sind, ist bis heute unklar. Erst 1792, ein Jahr nach Mozarts Tod, reiste er erneut nach Wien, um Meisterschüler von Joseph Haydn zu werden. Schlussendlich ließ er sich in der Stadt an der Donau nieder - und sollte hier bis an sein Lebensende bleiben, auch wenn er zwischenzeitlich daran dachte, sie zu verlassen. Ein fixes Jahresgehalt, das von Erzherzog Rudolph, Franz Joseph Fürst Lobkowitz und Ferdinand Fürst Kinsky zugesichert wurde, brachte ihn aber davon ab.

Erfolge und Taubheit

Während er immer größere Erfolge feiern durfte, machten sich bereits in den späten 1790er-Jahren erste Anzeichen einer Hörschädigung bemerkbar. Sie ließ ihn immer mehr zu einem Einzelgänger werden, führte ab 1808 zu starker Schwerhörigkeit und 1819 zu völliger Taubheit. Für geschliffene Umgangsformen war Beethoven nie bekannt, er galt als direkt. Dazu kam ein ungepflegtes Erscheinungsbild in späteren Jahren. Gekoppelt mit seiner Schwerhörigkeit galt er dadurch als schwierig seinen Mitmenschen gegenüber. Zudem war er nie verheiratet - die von ihm Angebeteten waren meist gesellschaftlich höhergestellt. Eine Ehe war damit unmöglich.

Zwar gab er ab dem Zeitpunkt des völligen Verlusts seines Gehörs keine öffentlichen Konzerte mehr. Als Komponist blieb er dennoch bis an sein Lebensende aktiv. Am 27. März 1827 starb Ludwig van Beethoven im Alter von nur 56 Jahren. Beethoven wurde am Währinger Ortsfriedhof bestattet, wo sich noch immer der Original-Grabstein befindet. Am Trauerzug sollen an die 20.000 Personen teilgenommen haben. Die von Franz Grillparzer verfasste Grabrede wurde von Schauspieler Heinrich Anschütz vorgetragen. Einer der 36 Fackelträger war Franz Schubert. Er erwies ihm neben Grillparzer die letzte Ehre und sollte selbst ein Jahr später Beethoven im Alter von nur 31 Jahren sterben.

Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof

Beethovens Leichnam wurde alleine im 19. Jahrhundert zwei Mal exhumiert. Das erste Mal geschah dies 1863, um die Gebeine zu vermessen und den Schädel zu fotografieren. Das zweite Mal 1888, um sein Skelett in ein Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof umzubetten.

Unzählige Male wurde sein Leben fürs Kino adaptiert, das erste Mal bereits 1909 in einem schlicht "Beethoven" betitelten Streifen unter der Regie des Film-Pioniers Victorin-Hippolyte Jasset. 2020 ist Beethoven in ganz Wien zu hören und zu sehen. Seine revolutionäre Musik, seine wilde Persönlichkeit, sein Ideal von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit werden dabei allen zugänglich sein. Egal, ob einheimisch, zugereist oder zugezogen.

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