Die ersten Frauen im österreichischen Parlament 1919. © www.picturedesk.com

 

100 Jahre Frauenwahlrecht

Vor 100 Jahren durften in Österreich erstmals auch alle Frauen ihre Stimme abgeben. Das Wahlrecht im Rückblick.

Was heute kaum jemand weiß: Schon ab 1849 durften in ein paar österreichischen Gemeinden Frauen wählen. Allerdings war dieses Wahlrecht nur jenen Damen vorbehalten, die wohlhabend waren und Liegenschaften besaßen. Das Paradoxe damals: Oft mussten die Frauen ihre Stimme über Bevollmächtigte abgeben, da ihnen das Betreten der Wahllokale nach wie vor untersagt war. Noch unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg (1914 bis 1918) und dem damit einhergehenden Ende der Monarchie lehnten viele Männer – vor allem aus dem deutschnationalen Lager – das allgemeine Frauenwahlrecht ab. Erfreulicherweise ohne nachhaltigen Erfolg. Denn mit der Ausrufung der Republik 1918 wurde auch das allgemeine, gleiche, aktive und passive Frauenwahlrecht ausgerufen. Elf Jahre, nachdem dieses bereits den Männern zuteil geworden war.

Das Parlament entsteht

Generell nimmt die Geschichte des österreichischen Wahlrechts im Revolutionsjahr 1848 ihren Ausgang. So wie in vielen Teilen Europas herrschte auch hierzulande unter den Bürgerinnen und Bürgern Unzufriedenheit. Sie stießen sich an den fehlenden Rechten und forderten eine Verfassung und eine gewählte Volksvertretung. Nach anfänglichen Erfolgen und Zugeständnissen im Zuge der Revolution wurde diese aber von Kaiser Franz Joseph (1830 bis 1916) niedergeschlagen. Verlorene Kriege waren es, die ihn bald darauf in finanzielle Not brachten. Er brauchte mehr Steuergeld, musste im Gegenzug aber Rechte ausgeben, was 1861 zum Erlass des "Februarpatents" führte: dem Papier zur Geburtsstunde des österreichischen Parlaments. Das Patent erlaubte Männern ab 24 Jahren indirekt über Kurien das Abgeordnetenhaus zu wählen. Über den Zwischenschritt "Zensuswahlrecht" – direkt wählen durfte, wer mindestens zehn Gulden an Steuern zahlte – führte der Weg im Jahr 1907 letztlich zum allgemeinen Männerwahlrecht. Alle Männer, unabhängig von Besitz und Bildung, durften fortan ihre Stimme abgeben, wobei jede davon gleich viel zählte. Wie schon erwähnt, wurden schließlich 1918 auch die Frauen in die österreichische Wählerschaft aufgenommen. Zur Zeit des autoritären "Ständestaats" (1934 bis 1938) und während der NS-Diktatur (1938 bis 1945) gab es in Österreich keine freien Wahlen. Erst bei der Nationalratswahl am 25. November 1945 durften die BürgerInnen wieder zur Urne schreiten, um eine Volksvertretung in ihr Parlament zu wählen. Mit der Einführung der Briefwahl für im Ausland lebende ÖsterreicherInnen (1990) sowie für jene im Inland (2007) und mit der Senkung des aktiven Wahlalters auf 16 Jahre (ebenso 2007) folgten zwei weitere maßgebliche Änderungen.

 

Urnengang in Wien

Auch die Geschichte der Wiener Wahlen begann im Revolutionsjahr. "Die erste Gemeinderatswahl fand im Oktober 1848 statt. Damals gab es ein Mehrheitswahlrecht, und es waren auch nur wenige Bürger wahlberechtigt – zum Beispiel Beamte, Militärs, Ärzte und Advokaten sowie all jene, die einem bestimmten steuerpflichtigen Erwerb nachgingen oder eine Liegenschaft hatten. Insgesamt wurden 150 Mandate vergeben", erklärt Barbara Steininger, Leiterin der Landtags- und Gemeinderatsdokumentation in der MA 8 (Wiener Stadt- und Landesarchiv). Schon zwei Tage später trat der Gemeinderat zu seiner ersten Sitzung zusammen. Während der Monarchie bestand in Wien ein Kurienwahlrecht, eine Wahl nach Wählerklassen. Dieses wurde bis zu seinem Ende im Jahr 1918 stufenweise ausgeweitet. Barbara Steininger: "1918 wurde dann ein provisorischer Gemeinderat einberufen, in dem bereits erstmals Frauen saßen. Im Jahr 1919 wurde eine neue Wahlordnung beschlossen." Die ersten Gemeinderatswahlen, bei denen sowohl Männer als auch Frauen votieren durften, fanden 1919 statt. Dabei wurde erstmals auch nach dem Verhältniswahlrecht gewählt.