Die Liliputbahn ist ein echtes Wiener Original im Prater im zweiten Bezirk. © Schaub-Walzer/PID

 

Das kleine 1x23 der Wiener Bezirke: Leopoldstadt

Spannendes, Skurriles und Unerwartetes aus den 23 Wiener Gemeindebezirken: von ZahnärztInnen, Shoppingzonen und Kinderanzahl bis hin zur Wasserfläche pro Bezirk. Basierend auf den Statistiken der MA 23, Wirtschaft, Arbeit und Statistik der Stadt Wien.

82.280 Meter Radwege, 17 städtische Großsportanlagen und 157 Hundekotsackerlspender oder auch der Augarten, Karmelitermarkt und natürlich das Riesenrad sind im zweiten Wiener Gemeindebezirk zu finden. Die Leopoldstadt nimmt rund 5 Prozent der Wiener Gesamtfläche ein und rangiert mit 19,2 Quadratkilometern im Bezirksgrößen-Mittelfeld. Etwa ein Fünftel dieses Gebietes nehmen Verkehrsflächen ein. Das klingt viel im ersten Moment, täuscht aber. Denn tatsächlich besteht mehr als ein Drittel, 674 Hektar, des Bezirks aus Grünflächen und wiederum knapp die Hälfe davon aus Wäldern. Ein weiteres Fünftel nehmen Gewässer ein, was sich aus der besonderen Lage der Leopoldstadt ergibt: Zusammen mit der Brigittenau liegt der Bezirk auf der "Insel" zwischen Donaukanal und Donau.

Die grüne Lunge Wiens

Über die Hälfte des Bezirks steht also den Wienerinnen und Wienern als Freizeit- und Erholungsparadies zur Verfügung. Einen großen Teil davon nimmt die grüne Lunge Wiens ein: Der Wiener Prater macht mit einer Fläche von 513 Hektar rund 27 Prozent des 2. Bezirks und 1 Prozent der Gesamtfläche Wiens. Er war ursprünglich im Besitz des Kaisers. 1766 gab Joseph II. das Areal für die Bevölkerung frei. Im Prater finden sich neben beliebten Laufstrecken vier der 17 Naturdenkmäler der Leopoldstadt, so etwa das Mauthner- und das Krebsenwasser. Der Wurstelprater bietet Raum für die eher gesellige Erholung und dem einen oder anderen raschen Adrenalin-Booster.

Viele Kastanien, Hundezonen und TouristInnen

Die Rosskastanie ist der Baum der Leopoldstädterinnen und Leopoldstädter. Sehr zur Freude bastelnder Kinder sind im Herbst 3.882 der 8.329 Straßenbäume mit Kastanien behangen, so viele wie in keinem anderen Bezirk. Auch für strahlende Kinderaugen und nötige Bewegung sorgen 62 Spielplätze, 27 davon sind für Kleinkinder geeignet, das ist Wien-weit ungeschlagen.

Könnte sich ein Hund seinen Wohnort auswählen, würde er vielleicht die Leopoldstadt wählen. 2.511 dort heimische Hunde werden täglich Gassi geführt. Dafür stehen für die Frauerln und Herrln nicht nur die schon erwähnten Sackerl-fürs-Gackerl-Spender sondern auch elf Hundezonen bereit. Insgesamt kommen diese auf eine Fläche von rund 368.300 Quadratmeter, das ergibt 146,7 Quadratmeter für einen Hund. Top in Wien.

Dass all diese Kriterien den zweiten Bezirk zu einem beliebten Stadtteil für die Wienerinnen und Wiener machen, überrascht wenig. Vielmehr vielleicht, dass Touristinnen und Touristen den Bezirk stürmen. 1.689.960 Gästenächtigungen konnten im Jahr 2014 verbucht werden. Mehr waren es nur in der Inneren Stadt. Das könnte an der Anziehungskraft der Messe Wien, des Vergnügungspraters und des boomenden Karmeliterviertels liegen. Oder an den 8.073 Betten in Hotels und Pensionen, die hier den Wien-Besucherinnen und -Besuchern angeboten werden.

Wohnen im Zweiten

101.702 Menschen bevölkern den Stadtteil, das sind 6 Prozent der Wiener Gesamtbevölkerung und bedeutet Platz vier im Bezirksvergleich. In über 4.758 Gebäuden werden rund 50.407 Wohnungen bewohnt. 36 Prozent der Gebäude stammt aus der Zeit vor 1919. Rein rechnerisch wohnen 2,03 Personen in einer 70 Quadratmeter-Wohnung.

Bevölkerungsentwicklung: gemächlich bergab zu steil bergauf

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sank die Bevölkerungszahl im Bezirk Leopoldstadt kontinuierlich. In den letzten Jahren änderte sich dies und die Bevölkerung der Leopoldstadt wuchs. Anfang 2015 waren erstmals seit 1971 wieder mehr als 100.000 Personen registriert. Der 2. Wiener Gemeindebezirk wird voraussichtlich in den nächsten Jahren von einem starken Bevölkerungswachstum gekennzeichnet sein und könnte bis zu 20.000 Menschen dazugewinnen. Grund dafür sind die erwarteten konstant hohen Geburtenüberschüsse, aufgrund de­rer die Bevölkerungsbilanz im gesam­ten Prognosezeitraum positiv bleibt. Neben den ausgewiesenen Neubau­gebieten tragen Wanderungsgewinne aus dem In- und Ausland erheblich zum Bevölkerungswachstum bei. Der Anteil der "foreign-born"-Bevölkerung liegt mit rund 39 Prozent deutlich über dem Wien-Durchschnitt, der bei 33 Prozent liegt. Es wird mit einem Anstieg gerechnet. Bis 2024 könnten knapp 42 Prozent der gesamten Einwohnerzahl des Bezirks im Ausland geboren sein.

Alle Altersgruppen werden von der positiven Bevölkerungsentwicklung profitieren. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen könnte sich um ein Viertel, also um ein Plus von 26 Prozent, erhöhen. Bei den 30- bis 44-Jährigen dürfte der Anstieg mit sieben Prozent schwächer ausfallen.

Quelle: Statistisches Jahrbuch 2018

Das Statistische Jahrbuch 2018 der Stadt Wien unter Federführung der MA 23 steht als kostenloser Download zur Verfügung.