Die Karlskirche und der Platz mit dem Brunnen davor sind beliebte Ziele für Einheimische und TouristInnen. © Schaub-Walzer/PID

 

Das kleine 1x23 der Wiener Bezirke: Wieden

Spannendes, Skurriles und Unerwartetes aus den 23 Wiener Gemeindebezirken: von ZahnärztInnen, Shoppingzonen und Kinderanzahl bis hin zur Wasserfläche pro Bezirk. Basierend auf den Statistiken der MA 23, Wirtschaft, Arbeit und Statistik der Stadt Wien.

Auf der Wieden leben knapp 32.000 Menschen. Ein Teil davon meint möglicherweise "in Wieden" zu wohnen, da sie oder er nicht in Wien geboren wurde und mit der eigenwilligen Diktion, auf welche "Ur-Wienerinnen" und "Ur-Wiener" bestehen, noch nicht firm ist. So oder so machen die Wiednerinnen und Wiedner rund 1,8 Prozent der Wiener Bevölkerung aus. Dass der Bezirk gerade mal 0,4 Prozent der gesamten Stadtfläche einnimmt, lässt darauf schließen, dass es ein sehr dicht besiedelter Stadtteil ist. Knapp 54 Prozent der Wieden besteht aus Wohnbaugebieten. Er ist ein typischer innerer Bezirk, mit nur zehn Prozent Grün-, dafür aber über 25 Prozent Verkehrsflächen. Auf letzteren stehen 527 Straßenbäume, 0,6 Prozent des Wiener Straßenbaumbestandes, wovon 63 Prozent Ahorn und Linde ausmachen. Es gibt 12.430 Meter Radwege, weniger sind es lediglich in der Josefstadt.

Wenig Grün, viel Abwechslung

Trotz des geringen Anteils an Grünflächen gibt es im Vierten immerhin 11 Grün- oder Parkanlagen. Vor allem die Gegend rund um die Karlskirche mit Rosa-Mayreder-Park, Resselpark und Karlsplatz erfreut sich nicht nur bei den Wiednerinnen und Wiednern großer Beliebtheit. Wien Museum, Kunsthalle, Popfest, Weihnachtsmarkt oder "Kino unter Sternen", zu fast jeder Jahreszeit ist dort eine Besonderheit zu finden. Die Station Karlsplatz ist U-Bahn-Knotenpunkt der Linien U1, U2 und U4. Im Resselpark, gegenüber dem Haupteingang der Technischen Universität, befinden sich auch zwei der fünf Naturdenkmäler des Bezirks: Zwei Baumhaseln wurden wegen ihrem gleichmäßigen Wuchs und ihrem stattlichen Aussehen unter Schutz gestellt. Das Grätzel rund um Margaretenstraße, Schleifmühlgasse und Schikanedergasse ist auch eine gefragte Lokalgegend.

Ein gutes Auskommen im Vierten

Auch sonst lebt es sich im Vierten recht gut, vor allem als Mann. Während Wiednerinnen 2013 über 20.151 Euro Netto-Jahreseinkommen verfügen konnten, das sind immerhin 1.763 Euro über dem durchschnittlichen Einkommen einer Wienerin, waren es bei Wiednern rund 28.353 Euro und somit 4.971 Euro über dem durchschnittlichen Einkommen eines Wieners. In mindestens 49 Prozent der Haushalte des Bezirks dürfte sich die Einkommensschere nicht indirekt ausgleichen. Denn: In den 1.476 Wiedner Gebäuden gibt es insgesamt 16.921 bewohnte Wohnungen und 49 Prozent dieser Wohnungen werden von nur einer Person bewohnt. In 28 Prozent der Wohnungen leben zwei und in 23 Prozent drei oder mehr Menschen. 84 Quadratmeter hat eine Wohnung durchschnittlich, damit stehen einer Person 48 Quadratmeter zur Verfügung. In beiden Fällen Platz drei in der Bezirksstatistik. 64 Prozent aller Gebäude wurden vor 1919 erbaut.

Das wenig vorhandene Grün machen vielleicht so manche Straßennamen wieder wett. So gibt es eine Grüngasse, die nach Vinzenz Grün benannt wurde, einem Grundbesitzer, der 1850 mit dem Bau von vier Häusern die Gasse eröffnete. Die Apfelgasse wurde 1873 nach dem ehemaligen Gasthaus "Zum roten Apfel" benannt, welches der Gasse weichen musste. Die Mostgasse wurde gegen 1865 nach dem Hausschild "Zur grünen Weintraube" benannt.

Auch die Wieden ist, so wie der erste und dritte Bezirk, ein begehrtes Viertel für ausländische Vertretungen. Der Tourismus ist als wirtschaft­streibende Kraft ebenfalls nicht zu verachten. 2.168 Betten stehen in Hotels und ähnlichen Beherber­gungsbetrieben bereit. 261.530 Gäste im Jahr 2014 wurden insge­samt 645.860 Nächte beherbergt, so verweilte ein Gast im Schnitt zwei­einhalb Tage auf der Wieden.

Bevölkerungsentwicklung

1961 lebten rund 46.000 Personen auf der Wieden. Wie in allen anderen Innenstadtbezirken auch, folgte in den darauffolgenden Jahrzehnten ein Bevölkerungsrückgang. Seit 2001 verzeichnet der Gemeindebezirk wieder leichte Bevölkerungsgewinne, die sich in der nahen Zukunft fortsetzen könnten. Der prognostizierte Bevölkerungszuwachs bis zum Jahr 2034 dürfte aber mit rund acht Prozent deutlich unter dem Wiener Durchschnitt liegen, der etwa 15 Prozent beträgt. Die demographische Entwicklung dürfte weiterhin von Zuwanderungsgewinnen geprägt sein. Für die Wieden tragen zudem geringe Geburtenüberschüsse zum Bevölkerungswachstum bei.

Bezüglich Altersstruktur werden deutliche Zuwächse bei Kindern und Jugendlichen vorhergesagt. Für die 15- bis 44-Jährigen sind minimale Einwohnerverluste nicht auszuschließen. Die ältere Bevölkerung wächst stark, wodurch der Altenanteil von 22 Prozent auf 26 Prozent ansteigen dürfte. Der Altenquotient dürfte in den ersten Jahren konstant bleiben und anschließend eine stärkere Dynamik erfahren.

Quelle: Statistisches Jahrbuch 2018

Das Statistische Jahrbuch 2018 der Stadt Wien unter Federführung der MA 23 steht als kostenloser Download zur Verfügung.