Über den Dächern des 7. Bezirks. © Christian Jobst/PID

 

Das kleine 1x23 der Wiener Bezirke: Neubau

Spannendes, Skurriles und Unerwartetes aus den 23 Wiener Gemeindebezirken: von ZahnärztInnen, Shoppingzonen und Kinderanzahl bis hin zur Wasserfläche pro Bezirk. Basierend auf den Statistiken der MA 23, Wirtschaft, Arbeit und Statistik der Stadt Wien.

1.552 Gebäude, nur 376 davon sind nach 1945 erbaut worden und dennoch der Name. Aber schließlich wohnt man echt Wienerisch nicht "im" oder "in" Neubau sondern "am" Neubau. Unter so vielen älteren Gemäuern sind natürlich auch zahlreiche Objekte denkmalgeschützt. Dazu zählen neben Volkstheater, Stiftskaserne oder dem Amtshaus auch einige Miethäuser. Diese tragen oft kreative Namen, wie etwa das Miethaus "Zum Dattelbaum" in der Burggasse, die Häuser "Zu den Sieben Böcken" und "Zum schwarzen Elefanten" in der Gutenberggasse oder das Wohnhaus "Zum Küss den Pfennig" in der Kirchberggasse.

Wohnen am Neubau: damals und heute

Der Neubau ist, wie für einen Inneren Bezirk charakteristisch, dicht bebaut und dicht besiedelt. 73 Prozent des Bezirks nehmen Bauflächen ein, das ist der höchste Wert in ganz Wien. 80 Prozent davon sind Wohngebieten gewidmet, dort leben 31.291 Menschen. Dass dieser Wert im Bezirksvergleich Platz vier bei den wenigsten Einwohnerinnen und Einwohnern bedeutet, ist der Größe des Bezirkes geschuldet. Mit 160,8 Hektar ist der Neubau der drittkleinste Bezirk Wiens. Auf lediglich 0,4 Prozent der Stadtfläche leben immerhin 1,7 Prozent aller Wienerinnen und Wiener. Der 7. Bezirk war aber früher noch dichter bevölkert. 1869 wurde er von 80.043 Menschen bewohnt. Ein Wert, der auch aufgrund der steigenden Ansprüche auf mehr Wohnraum nie wieder übertroffen wurde.

Heute sind die Wohnungen im Siebten durchschnittlich 78 Quadratmeter groß und werden rechnerisch von 1,82 Personen bewohnt. Real lebt aber in 52 Prozent aller Neubauer Domizile nur eine Person: Der höchste Anteil an Singlehaushalten in der Stadt. Das Durchschnittsalter der Bezirksbewohnerinnen und Bezirksbewohner hingegen entspricht mit 40,3 Jahren exakt dem Wiener Mittel und der Anteil an Migrantinnen und Migranten mit 26 Prozent ist nur leicht darüber. Mehr als Mittelmaß ist das Einkommen im Bezirk: 23.093 Euro im Jahr sind rund 110 Prozent eines Wiener Durchschnittsbezuges. Auch das Bildungsniveau ist mit einem Anteil von über 43 Prozent an Akademikernnen und Akademikern sehr hoch und fast 66 Prozent haben zumindest Matura als höchste abgeschlossene Ausbildung. 10.903 Pkw sind im Bezirk gemeldet, weniger Autos gibt's nur in der kleineren Josefstadt.

Beliebte Wohngegend, vor allem unter den Jüngeren, ist die Wohngegend rund um den Spittelberg. Hier hat sich eine umfangreiche Lokalszene etabliert und im Winter lockt ein Weihnachtsmarkt in die historischen Gassen. Im 18. bis ins 20. Jahrhundert jedoch hatte der Spittelberg einen denkbar schlechten Ruf und war berüchtigt als Rotlichtviertel.

Kultur, Kreatives, Kulinarik

Ausgedehnte Grünflächen gibt es im Siebten kaum, sie beanspruchen nur 2 Prozent des Bezirks. Die meisten der zwölf Parkanlagen am Neubau entstanden in Baulücken. Der Weghuberpark an der Zweierlinie ist mit einem Hektar der größte. Dort gibt es auch einen der 16 Spielplätze mit einem der fünf Ballkäfige des Bezirks. Aber es ist auch nicht das Grün, das den Bezirk zu einem der lebendigsten der Stadt macht. Er teilt sich mit dem 6. Bezirk Wiens größte Einkaufsstraße, die Mariahilfer Straße. Auch in der Neubaugasse gibt es viele kreative Geschäfte und in der Umgebung jede Menge Lokale für jeden Geschmack.

Für Kulturinteressierte gibt es unter anderem das Renaissance- und Volkstheater sowie das Westlicht als Schauplatz für Fotografie. Mit dem MuseumsQuartier (MQ) befindet sich im Bezirk seit 2001 eines der zehn größten Kulturareale Europas. In den ehemaligen kaiserlichen Hofstallungen werden unter anderen das MUMOK - Museum moderner Kunst, das Leopoldmuseum, die Kunsthalle Wien, Zoom - Kindermuseum und das Theaterhaus für junges Publikum - Dschungel Wien beherbergt. Auch die Hauptbücherei der Büchereien Wien am Urban-Loritz-Platz liegt am Neubau.

Bevölkerungswachstum am Neubau

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verringerte sich die Bevölkerung durchgehend und von 1961 bis 2011 betrug der Rückgang rund 15.000 Personen beziehungsweise 34 Prozent. Seit den 1980er-Jahren bleibt die Zahl an Einwohnerinnen und Einwohnern in Neubau mit etwa 30.000 Menschen relativ stabil. Die aktuellen Prognose-Ergebnisse verzeichnen einen positiven Trend mit einem Zuwachs an Einwohnerinnen und Einwohnern von bis zu 14 Prozent. Bis zum Jahr 2034 könnten im Gemeindebezirk rund 35.000 Menschen leben. Dabei profitiert Neubau wie in der Vergangenheit stark von der internationalen Zuwanderung, wohingegen das Geburtenplus in Zukunft nur noch eine untergeordnete demographische Komponente sein dürfte.

Die Altersstrukturentwicklung wird ähnlich ablaufen wie in den übrigen Innenstadtbezirken: Starkes Wachstum in den jüngeren Altersgruppen sowie der Bevölkerung ab dem 45. Lebensjahr, sowie geringfügige Verluste der 15- bis 44-Jährigen. Durch die deutliche Zunahme bei den 60- und Mehrjährigen erhöht sich in Folge der Anteil der Generation 60 plus um sechs Prozentpunkte auf 25 Prozent im Jahr 2034. 

Quelle: Statistisches Jahrbuch 2018

Das Statistische Jahrbuch 2018 der Stadt Wien unter Federführung der MA 23 steht als kostenloser Download zur Verfügung.