Mit dem Rad geht es dank vieler Radwege schnell von einem Bezirk zum anderen. © Bohmann/Radim Vrska

 

Das kleine 1x23 der Wiener Bezirke: Mariahilf

Spannendes, Skurriles und Unerwartetes aus den 23 Wiener Gemeindebezirken: von ZahnärztInnen, Shoppingzonen und Kinderanzahl bis hin zur Wasserfläche pro Bezirk. Basierend auf den Statistiken der MA 23, Wirtschaft, Arbeit und Statistik der Stadt Wien.

Ein Bezirk der Treppen liegt zwischen Wienzeile und Österreichs größter Einkaufsstraße. Mariahilf weist eine der steilsten Geländebeschaffenheiten Wiens auf. Dicht besiedelt, wie für einen innerstädtischen Bezirk charakteristisch, wurde der Niveau-Unterschied von rund 30 Metern zwischen den zumeist Altbauten mit Stiegen ausgeglichen. Passender Weise liegt die Stiegengasse in diesem Stadtteil, an deren Ende die Amonstiege 13 Meter empor steigt. Aufgrund ihrer Architektur bekannter sind die im secessionistischen Stil gehaltene Fillgraderstiege oder die Rahlstiege mit ihrer dreiarmigen Freitreppe, die zur Mariahilfer Straße führt.

Die MariahilferInnen...

Der 6. Wiener Gemeindebezirk ist mit 145,5 Hektar der zweitkleinste der Stadt. In ihm wohnen 31.000 Menschen. Das bedeutet, dass auf nur 0,4 Prozent der Stadtfläche 1,7 Prozent aller Wienerinnen und Wiener leben. Im Bezirksvergleich liegen die Wohnungen, ihre Größe betreffend, trotzdem im oberen Mittelmaß: Eine Wohnung hat im Schnitt 78 Quadratmeter, damit stehen rechnerisch einer Mariahilferin beziehungsweise einem Mariahilfer 44 Quadratmeter zur Verfügung, sechs mehr als im Wiener Durschnitt. 51 Prozent der Wohnungen werden alleine bewohnt, das sind knapp fünf Prozent mehr Singlehaushalte als im Wiener Mittel. In lediglich 21 Prozent der Domizile leben drei oder mehr Personen. Das Netto-Jahreseinkommen der Bezirksbewohnerinnen und Bezirksbewohner ist mit 22.133 Euro vergleichsweise hoch und beträgt 106 Prozent eines Wiener Durchschnittsgehaltes. Das mag darauf zurückzuführen sein, dass 61 Prozent der Mariahilferinnen und Mariahilfer zumindest über Matura als höchste abgeschlossene Ausbildung verfügen, wienweit sind es 42 Prozent.

Besondere Atmosphäre mit Blick in die Vergangenheit

Im Bezirk herrscht vor allem eines: buntes Treiben. Kaffeehausklassiker, in Wien nie out, neben neuen Lokalen deren Einrichtungen und Gäste je nach Hipheitsgrad wechseln. Für Cineastinnen und Cineasten, die ein Blockbuster-Kino normalerweise meiden, mag ein Besuch des Labyrinths im Apollo dennoch spannend sein. Ansonsten sorgen Top- und Haydn-Kino für Programm. Auch bekommt man in Mariahilf so viel Obst wie wahrscheinlich in ganz Wien kein zweites Mal: Mit dem Naschmarkt beherbergt der 6. Bezirk den größten innerstädtischen Markt, und das seit 2009 zur Gänze. Denn in diesem Jahr fiel ein kleiner Teil des 4. Bezirks an Mariahilf. Das spezielle Flair des Naschmarkts, die belebte Mariahilfer Straße, kleine Gassen und geschäftige Durchgänge verleihen dem Bezirk einen besonderen Charme. Nicht nur beliebt unter Wienerinnen und Wienern, auch Touristinnen und Touristen dürften die Atmosphäre schätzen. So logierten im Jahr 2014 mit 295.003 Gästen rund fünf Prozent aller Wienbesucherinnen und Wienbesucher in Mariahilf.

Die abfallende Geländebeschaffenheit des Bezirkes ist besonders gut an jener Stelle der Gumpendorfer Straße sichtbar, wo nebenan der einschüchternde Stahlbetonbau eines Flakturmes die Wirkung des Höhenunterschiedes noch verstärkt. Die Türme für Flugabwehrkanonen (Flak) wurden während des Zweiten Weltkrieges errichtet. Das gefährlichste jedoch, das heute in diesem Feuerleitturm anzutreffen ist, sind Panzerechsen, wie Krokodile auch gerne bezeichnet werden, Piranhas und Giftschlangen. Denn seit 1957 zeigt dort das Haus des Meeres Ozeanbegeisterten Geheimnisse der Unterwasserwelt wie Seepferdchen, Hammerhaie oder eben die räuberischen Piranhas. Auch die Außenseite des Gemäuers wird inzwischen unsachgemäß, dafür sinnvoll, genutzt: Über 4.000 Griffe wurden angebracht und in der warmen Jahreszeit können geübte Kletterinnen und Kletterer die Aussicht der 34 Meter hohen Kletterwand genießen. Umschlossen wird der Flakturm vom Esterhazypark, einer der aufgrund der dichten Verbauung raren Grünflächen im Sechsten, die ausschließlich aus kleineren Parkanlagen bestehen. Dennoch nehmen 0,59 Prozent der Bezirksfläche Spielplätze ein, prozentuell haben nur Brigittenau und Meidling mehr. Einer dieser insgesamt 22 Spielplätze befindet sich ebenfalls im Esterhazypark.

Hohe Bevölkerungsdichte wird dichter

Schon immer dicht besiedelt, zählte Mariahilf noch vor 100 Jahren doppelt so viele Einwohnerinnen und Einwohner wie heute. Zwischen 1961 und 2011 sank die Bevölkerung um 29 Prozent, von etwa 41.000 auf knapp über 29.000 Personen. Für die kommenden Jahre wird für den Gemeindebezirk ein sehr starkes Bevölkerungswachstum von bis zu 20 Prozent prognostiziert. Im Jahr 2034 könnten wieder über 36.000 Menschen ihren Wohnsitz im 6. Gemeindebezirk haben. Die Geburten- und Sterbefallentwicklung dürften bis 2034 zu einer positiven Geburtenbilanz führen. Aber die Zuwanderung aus dem In- und Ausland dürfte jedoch um ein Vielfaches höher liegen als das natürliche Bevölkerungswachstum.

Die demographische Entwicklung wird zukünftig auch in Mariahilf klare Akzente setzen. Bis zum Jahr 2034 könnte die Zahl der Kinder und Jugendlichen von 3.200 auf bis zu 5.000 Personen steigen. Auch wenn in der Zukunft günstigere Werte hinsichtlich der demographischen Faktoren realisiert werden können, wird der Altenanteil von 20 auf 25 Prozent deutlich ansteigen.

Quelle: Statistisches Jahrbuch 2018

Das Statistische Jahrbuch 2018 der Stadt Wien unter Federführung der MA 23 steht als kostenloser Download zur Verfügung.