Die Wienerinnen und Wiener in China riefen ein "Little Vienna" in Shanghai ins Leben, in dem es Kaffeehäuser mit Wiener Mehlspeis- und Kaffeespezialitäten, Würstelstände und Heurigen gab. © Jüdisches Museum

 

"Die Wiener in China" im Jüdischen Museum Wien

Shanghai stellte für viele Jüdinnen und Juden die letzte Hoffnung auf Zuflucht dar. Nach der Einnahme der Stadt durch die Japaner 1941 verschlechterte sich die Situation auch dort. CLUB WIEN verlost Karten für "Die Wiener in China" im Jüdischen Museum.

Bereits unmittelbar nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Österreich im März 1938 wurden Jüdinnen und Juden ausgegrenzt, gedemütigt und verfolgt. Die Möglichkeiten, das Land zu verlassen, waren gering. Schikanen, Zurücklassung jeglichen Besitzes und die Tatsache, dass viele Länder ihre Grenzen abschotteten, erschwerten jegliche Aussichten zur Flucht. China war das einzige Land, für das kein schwer zu erlangendes Visum nötig war, dennoch verlangten die deutschen Behörden ein Ausreisepapier. Dr. Feng Shan Ho, der Generalkonsul Chinas in Wien, stellte gegen den Willen der chinesischen Regierung tausende dieser rettenden Visa aus.

Damit stellte Shanghai, die "Stadt über dem Meer" für viele österreichische Jüdinnen und Juden die letzte Hoffnung auf Zuflucht dar. Die Reise dorthin bedeutete eine wochenlange Überfahrt auf dem Seeweg oder eine beschwerliche Reise auf dem Landweg über Sibirien.

Große Herausforderungen und "Littel Vienna"

Die fremde neue Heimat stellte die meisten Flüchtlinge vor große Herausforderungen. Doch schnell organisierten sich die Wienerinnen und Wiener in China ein "Little Vienna", in dem es neben Restaurants wie dem "Weißen Rössl" Kaffeehäuser mit Wiener Mehlspeis- und Kaffeespezialitäten, Würstelstände und Heurigen gab. Sportvereine und Zeitungen wurden gegründet, und die vielen geflüchteten Künstler sorgten für ein vielfältiges Angebot an Musikabenden, Operetten, Kabarett- und Theateraufführungen.

Mit der Einnahme Shanghais durch die mit dem Deutschen Reich verbündeten Japaner 1941 begannen sich die Lebensbedingungen kontinuierlich zu verschlechtern. 1943 wurde die Einrichtung eines Ghettos im heruntergekommenen Stadtviertel Hongkou beschlossen. Die hygienischen Verhältnisse und schlechte Versorgungslage führten zu Hunger und Krankheit. Ursprünglich aus dem Mittleren Osten stammende, und seit dem 19. Jahrhundert in Shanghai ansässige jüdische Familien, wie die Kadoories und Sassoons, sorgten gemeinsam mit anderen Hilfsvereinen, wie dem Amerikanischen JOINT, für die Versorgung mit Lebensmitteln und den Erhalt von Schulen.

Nach dem Sieg der Alliierten und dem Einmarsch der US-Armee 1945 begann für viele die Planung einer Rückkehr. Mit der bevorstehenden Einnahme Shanghais durch Mao-Tse-Tung, verließen auch die letzten Jüdinnen und Juden die Stadt in Richtung USA, Kanada, Australien oder Israel. Einige kehrten wieder in ihre Heimatstadt Wien zurück. Durch die  Ermordung und Zerstörung des europäischen Judentums  bedeutete ihre Rückkehr nach Wien einen völligen Neuanfang in einer veränderten Welt.

"Die Wiener in China. Fluchtpunkt Shanghai" im Jüdischen Museum

  • Wann: 21. Oktober 2020 bis 18. April 2021
  • Wo: 1. Jüdisches Museum, Dorotheergasse 11
  • Öffnungszeiten: Sonntag bis Donnerstag 10 bis 18 Uhr,  Freitag 10 bis 17 Uhr. Samstag und an den hohen jüdischen Feiertagen Rosh Haschana Yom Kippur geschlossen
  • Weitere Infos unter www.jmw.at

 

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Teilnahmeschluss: Freitag, 16. Oktober 2020